Tod ohne Sterben?

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Ein Roman, zwei Todesarten und viele Verdächtige

Als der Fluss zu Staub zerfiel lautet der Titel einer aktuellen Neuerscheinung (19.11.2017) bei neobooks. Die Autorin, Sabine Walther, erzählt in ihrem Ideenroman eine absurd anmutende Geschichte vom Kampf um die Deutungshoheit über Leben und Tod, Sterben und Geborenwerden.

Der Ideenroman beginnt wie so viele vor ihm mit einem persönlichen Schicksalsschlag: mit dem tragischen Unfalltod eines Kindes. Dessen Mutter, die anerkannte Wissenschaftlerin Dr. Saletta Schönbrunn, beginnt verzweifelt zu recherchieren, ob die vorangehende Impfung mit dem Unfall in einem Zusammenhang steht. Selbst unter Schockstarre geraten, muss sie dann hinnehmen, dass sich in ihrem Leben, das bis dato von Rationalität bestimmt schien, ein absurdes Ereignis an das andere reiht. Es scheint, als habe sie mit ihrem Kind auch die Kontrolle über ihre Existenz verloren.

Schließlich findet sie sich in einem italienischen Kloster wieder, in dem sie in die etruskischen Lehren der Weissagung eingeweiht wird. Das Ziel der Mönche: Sie wollen ihr eigenes Sterben initiieren, um zu beweisen, wo die Grenze zwischen Leben und Tod wirklich verläuft. Ihre These, die auch dem gesamten Roman unterliegt, lautet: Der Tod beendet nicht das Leben, sondern das Sterben. Erst, wer ganz hinübergegangen, wer das Sterben durchlitten und damit den mythischen Fluss überquert hat, überschreitet damit auch jene Grenze, von der es keine Rückkehr ins Leben mehr gibt.

Ganz anders sieht das die Gesellschaft für Lebensoptimierung, die ebenfalls versucht, Saletta für ihre Zwecke einzuspannen. Die Kryotechnik, so lässt es die Gesellschaft verlauten, werde dazu beitragen, den Tod in naher Zukunft ganz zu überwinden. Die Versuche aber setzen ein, bevor ein Mensch gestorben ist – wird er damit, wie die Mönche es glauben, zum ewigen Untoten? Oder wird es eines Tages eine Wiederauferstehung von den Eingefrorenen geben?

Saletta, die Protagonistin, gibt dem Leser keine Antwort darauf, wer recht hat und wer uns in die Irre leiten will. Denn am Ende zerfällt der Fluss, den zu überqueren ihr verweigert ist, zu Staub. Wie viele Träume und Mythen, wie viele geheime Bücher und Lehren und wie so manch eine Idee, den Tod auf ewig überwinden zu können.

 

Alle Daten auf einen Blick:

Walther, Sabine: Als der Fluss zu Staub zerfiel. Ein Ideenroman. Als E-Book erschienen im Verlag neobooks 2017.   ISBN: 978-3-7427-7260-2. 180 Seiten,  € 6,99.

Rückfragen und Anfragen für Rezensionsexemplare an die Autorin über: awas-sawa@web.de

Eine Leseprobe lässt sich hier herunterladen: https://goo.gl/W6EKbq.

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